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09.06.1993

Gleich zweimal die Berliner Hymnentafel
Sängerbund und Liederkranz singen unter Leitung von Michael Grüber

Die Berliner Hymnentafel, der Sängerbund Hechingen und der Liederkranz Onstmettingen sind am kommenden Wochenende gleich zweimal in Aktion: Geboten wird am Samstag und Sonntag ein unterhaltsames Konzert mit traditioneller Chormusik neu besungen. Am Samstag singen die Chöre in Onstmettingen, am Sonntag ab 20 Uhr in der Stadthalle „Museum" in Hechingen.

Ermuntert durch die sehr erfolgreichen gemeinsamen Konzerte der vergangenen Jahre, der „Zauberflöte" von W A. Mozart, welche mit Solisten der Staatsoper 1991 aufgeführt wurden und der „Cäcilienmesse", welche mit einem französischen Chor nicht nur in Onstmettingen und Rottweil, sondern 1992 auch in Paris zu Gehör gebracht wurde, haben der Sängerbund Hechingen und der Liederkranz Onstmettingen für ihren diesjährigen Konzerthöhepunkt wieder Gäste eingeladen. Mit den zwei Gastgeberchören wird am 12. und 13. Juni in der Festhalle in Onstmettingen und in der Stadthalle „Museum" die Berliner Hymnentafel musikalische Leckerbissen darbieten.
In der Berliner Hymnentafel (Leitung Werner Kotsch) fanden sich 1974 zwölf Sänger, um „vaterländische Gesänge" anzustimmen, zur Illustration der damals in Berlin gezeigten Ausstellung „Aspekte der Gründerzeit". Ihr Erfolg veranlaßte sie, zusammenzubleiben. Sie bereicherten ihr Repertoire aus dem fast unerschöpflichen Vorrat der Männerchorliteratur des 19. Jahrhunderts auseinanderzusetzen. Neben den Kostbarkeiten dieser Epoche (zum Beispiel Werke von Schubert, Mendelssohn Bartholdy und Brahms) förderten die Sänger zum allgemeinen Vergnügen auch Kuriositäten zutage, zum Beispiel aus dem „Liederhort Deutscher Jung-Drogisten", aus dem „Allgemeinen Deutschen Commersbuch für Sportsleute" oder aus dem „Liederbuch der Deutschen Motorradfahrer-Vereinigung".
In ihrer Schallplatte „Dunkelrote Rosen" und der anläßlich der 1981 eröffneten „Preußenausstellung" erschienenen Schallplatte „Preußens Klang und Gloria" dokumentiert die Berliner Hymnentafel ihren genüßlich ausgelebten Hang zu salonhafter Musik, aber auch zur heute martialisch anmutenden preußischen „kriegerischen" Sangeslust im Kaiserreich. Schlager der Nachkriegszeit und besonders die witzigen und frivolen Schlager der 20er und 30er Jahre sind auf einer neueren Veröffentlichung zusammengefaßt. Die CD, die auch bei den Konzerten an der Abendkasse erworben werden kann, zeigt das musikalische Schaffen in der Zeit, in der Berlin zum Zentrum der musikalischen Unterhaltung in Europa geworden war.
Bei den unterhaltenden Konzerten am 12. und 13. Juni mit den gemischten Chören aus Hechingen und Onstmettingen wird der Männerchor aus Berlin einerseits mit den Liedern „An die Frauen" (1803, J. Haydn), dem „Räuberlied" (1816, F Schubert), dem „Turnlied" (1850, Zöllner) andererseits auch mit der Volksweise „Die Dri-Dra-
Drogerie" (1908), und bekannteren Weisen wie dem „Glühwürmchen-Idyll" (OP. Linke), den „Capri-Fischern" (G. Winkler) sowie dem „kleinen grünen Kaktus" (B. Reisfeld) versuchen, das Publikum in gewohnter Art zu begeistern. Der Abend unterhaltsamer Chormusik steht unter dem Titel „Pi-Pa-Po", entnommen aus dem Refrain des gleichnamigen Liedchens von E. Bludau: „Am Pi - Pa, am Po - Po, am Potsdamer Platz hab' ich ein kleines Stübchen für mich und den Fratz ...".
Auch die gastgebenden Vereine, der Sängerbund Hechingen und der Liederkranz Onstmettingen, wollen aufzeigen, daß sie nicht nur traditionelles Liedgut beibehalten und verwalten wollen, sondern mit aktuellen und zeitgemäßen Elementen moderner Musik neu beleben; nicht zuletzt, um auch wieder unter jungen Leuten mehr Nachwuchs zu finden. Auch ihre Auftritte werden von „alt" und „neu" geprägt sein.